Denkmal des Monats - März 2015

Ostwestfalen Lippe
Das Lippische Landesmuseum an der Ameide (Detmold)



Das Lippische Landesmuseum Detmold gehört zu den ältesten Museen Nordrhein-Westfalens und ist das größte Museum in Ostwestfalen-Lippe. Gegründet wurde es im Jahre 1835 von einer Gruppe engagierter Detmolder Bürger als Naturhistorisches Museum. Mit seiner umfangreichen und vielseitigen Sammlung lippischer und außerlippischer Kulturgüter aus den Bereichen Naturkunde, Ur- und Frühgeschichte, Landesgeschichte, Volkskunde, Kunst, Möbel und Innenarchitektur sowie Völkerkunde hat es sich zu einem weithin einzigartigen Museum entwickelt. Insbesondere im entdeckerfreudigen 19. Jahrhundert steuerten weitgereiste Detmolder Bürger zahlreiche „Mitbringsel" bei, die bis heute wertvolle Exponate der natur- und völkerkundlichen Abteilungen sind.

Hier geht es nun um die bauliche Entstehungsgeschichte dieses architektonisch vielgestaltigen Museumsareals, das nur zum Teil aus ursprünglich dort errichteten Gebäuden besteht.

Nach den Anfängen des Museums im Alten Leopoldinum (heute Stadtbücherei) in der Leopoldstraße, dann im Gebäude der heutigen Lippischen Landesbibliothek und später mit der naturhistorischen und völkerkundlichen Sammlung im Palais, begann der langjährige Detmolder Museumsdirektor Wilhelm Hansen (1911 - 1986) in den 1950er Jahren damit, den Museumskomplex an der Ameide anzulegen. Dagegen regte sich zunächst Widerstand in der Bürgerschaft. Einwände gegen den Aufbau der historischen Fachwerkbauten auf Freiflächen an der Ameide gipfelten im „Spektakel um das Detmolder Scheunenviertel", wie Hansen den Protest seinerzeit ironisch kommentierte. Sein Ansinnen war, vom Abbruch bedrohte Fachwerkbauten aus der lippischen Umgebung auf diese Weise vor dem Untergang zu retten. So konnten sie einschließlich ihrer bauhistorischen Eigenheiten und Nutzungsgeschichte als volks- und landeskundliches sowie architektonisches Anschauungsobjekt erhalten bleiben und gleichzeitig als Museum die Sammlungen aufnehmen.

Als Ganzes betrachtet, bilden der Spieker, die Mittelmühle, das Kornhaus, die Zehntscheune und das spätklassizistische Gesellschaftshaus ein beeindruckendes Ensemble architektonischer Vielfalt in Lippe. Weit über vierhundert Jahre Baugeschichte präsentieren sich hier auf engem Raum und prägen diesen Abschnitt der Ameide zusammen mit dem 1997 eingeweihten gläsernen Neubau. Optisch zurückhaltend verbindet er als Entrée oberirdisch die historischen Gebäude und bietet im Untergeschoss moderne Ausstellungsflächen. Als Ganzes fassen die Bauten den aufgeweiteten Platz am Burggraben gegenüber der Bastion auf der Schlosshalbinsel und öffnen den Blick auf die ursprünglich als „Neue Mitte" geplante Stadterweiterung am Kaiser-Wilhelm-Platz aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts.

MITTELMÜHLE

Neben der Ressource und dem Neubau von 1997 ist die Mittelmühle eines der Bauwerke, das von vornherein an diesem Platz errichtet wurde. Seit dem 16. Jahrhundert landesherrliche Mühle, wurde der verputzte Bruchsteinbau 1826 - 28 als Fürstliche Mittelmühle von Landbaumeister Natrop erbaut. Erhalten sind der Eingangsportalrahmen aus Werkstein mit gerader Verdachung und die bauzeitliche Eingangstür. Der Wasserlauf hinter dem Gebäude trieb ursprünglich das nicht mehr vorhandene Mühlrad an.

KORNHAUS DER DOMÄNE SCHIEDER

Das ehemalige Kornhaus stammt aus dem Jahr 1595. Zwischen 1956 und 1958 wurde es nach Detmold übertragen und am jetzigen Standort wieder aufgebaut. Den stattlichen mehrgeschossigen Fachwerkbau prägen das steile hohe Dach und der Wechsel der Gefache vom weißen Putzfachwerk der Untergeschosse zum roten Ziegelfachwerk der Obergeschosse. Ein Hingucker sind die schön gegliederten Fenster und die umlaufenden farbig gefassten Zierschnitzereien.

FALKENHAGENER ZEHNTSCHEUNE AUS SABBENHAUSEN

Der Fachwerkbau mit dem imponierenden Krüppelwalmdach und verbretterten Giebeln wurde 1555 in dem heute zu Lügde gehörenden Falkenhagen errichtet. Die Umsetzung der 1953 abgebauten Scheune nach Detmold erfolgte 1960 bis 1962. Sie gilt als ältester Vierständerbau in Westfalen-Lippe. Im Jahre 2009 wurde das Gebäude im Inneren umgestaltet, um die Exponate der Ausstellung „Mythos Varusschlacht" ins rechte Licht zu rücken. Teile der Schau sind bis heute dort zu sehen.

GESELLSCHAFTSHAUS „RESSOURCE"

Das Objekt stand bereits in der Baudenkmalliste des Landeskonservators von 1973: „Haus Ameide: Stattlicher spätklassizistischer Villenbau mit dreiachsigem Mittelrisalit mit Kolossalordnung und Dreiecksgiebel. Erbaut 1871/72 als Gesellschaftshaus der „Ressource", 1883/84 nach Brand neu ausgebaut." Es war das erste eigene Gebäude des 1825 gegründeten Gesellschaftsvereins. 1935 zog er in die klassizistische Villa in der Allee 11 um, wo bis heute der Sitz ist.

SPIEKER VOM LAKEHOF AUS BELLE

1977 wurde das Ensemble der translozierten Gebäude an der Ameide um den Spieker ergänzt. Es handelt sich um einen ehemaligen Kornspeicher, erbaut in den Jahren 1780/81, der reiches Schnitzwerk und zahlreiche Inschriften aufweist. Außerhalb der Zurschaustellung des alten Gebäudes wird er nicht für Museumszwecke, sondern gastronomisch genutzt.

DAS MUSEUMSAREAL

Einen Blick wert sind im Umfeld des Museums auch die Findlingsgruppe vor der Schmalseite der Mittelmühle sowie mehrere Plastiken. Der bronzene Panther (1936) vor dem Eingang des Naturkundemuseums und die Fohlengruppe (1956) rechts neben dem Kornspeicher sind Arbeiten des aus Lippe stammenden Bildhauers Heinrich Drake (1903 - 1993). Er hat auch die Büste (1971) seines Namensvetters Heinrich Drake geschaffen, ehemals lippischer Landespräsident. Sie steht vor dem Eingang der Ex-Ressource. Von dem Detmolder Künstler Hans Jähne (1926 - 2002) stammt der Frosch aus Edelstahl, der vom Rand des Sandsteintrogs Wasser in das Becken speit.

 

Informationen:

- Historische Fotos: Bildarchiv der Stadt Detmold unter Kultur-Tourismus-Freizeit-Sport / Geschichte und Archiv / Bildarchiv www.detmold.de

- Geodatenportal der Stadt Detmold, Bau- und Bodendenkmal, Denkmalwertbegründungen www.geodaten.detmold.de

- Lippisches Landesmuseum www.lippisches-landesmuseum.de

Weitere Informationen, zahlreiche Aufnahmen historischer Gebäude und historische Stadtpläne enthält die Farbbroschüre „Detmold historisch", erhältlich bei der Touristinformation Detmold oder im www.detmoldshop.de für 3 €.